Gesamtschweizerische Obst- & Beereninventarisierung

Ziel dieses Projektes war eine Bestandsaufnahme der Sortenvielfalt von Obst- und Beerenarten in der Schweiz. Von denjenigen Sorten bzw. Akzessionen, die nur noch in geringer Zahl vorkommen und damit vom Aussterben bedroht sind, sollte vermehrungsfähiges Material beschafft werden, damit diese in Sammlungen erhalten werden können.

Wie?

Im Zentrum der Sortensuche standen die Hauptobstarten Apfel, Birne, Süss- und Sauerkirsche sowie Zwetschge (inkl. Mirabelle und Reineclaude). Daneben wurden auch die Nebenobstarten Aprikose, Pfirsich und Quitte, sowie Edelkastanie, Walnuss und Haselnuss berücksichtigt. Feigen, Mispeln, Speierlinge, Kornelkirschen, sowie weitere Arten wie Mirobalanen, Ziparten oder Schlehen wurden in geringerem Umfang ebenfalls aufgenommen. Von den Beerenarten wurden in erster Linie Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren inventarisiert.

Vorab wurde die landwirtschaftliche Nutzfläche mit einer Umfrage systematisch erfasst. Mittels Aufrufen in den Medien, über öffentliche Stellen wie Gemeinde- und Kantonsbehörden, sowie über einschlägige private Organisationen wurde zudem versucht, auch öffentliche Flächen und Privatgrundstücke bei der Sortensuche zu berücksichtigen. Das Projekt fand guten Anklang in der Bevölkerung. Fast jeder fünfte Landwirtschaftsbetrieb beteiligte sich an der freiwilligen Umfrage. Immer wieder meldeten sich spontan Privatpersonen, die zur Erhaltung der Sortenvielfalt ihren Beitrag leisten wollten, oder Fragen zu alten Sorten hatten.

Warum?

Noch 1951 wurden in der Schweiz über 13 Millionen Feldobstbäume gezählt. Wegen dauernder Marktüberlastung und der Umstellung auf rationelle Niederstamm-Obstanlagen wurden in Rodungsaktionen hunderttausende Hochstammbäume gefällt. Auch die rege Bautätigkeit, fehlende Pflege und in neuerer Zeit die Bakterienkrankheit Feuerbrand trugen zum Verschwinden der Obstbaumveteranen bei. Wer das Schrumpfen des Feldobstbaus auf heute noch 2,6 Millionen Hochstammobstbäume miterlebt hat, fragte sich verständlicherweise, ob eine Inventarisierung zum heutigen Zeitpunkt überhaupt noch Sinn macht.

Und nun?

Die Resultate des fünfjährigen Projektes erlaubten eine positive Antwort auf diese Frage: Über 2’000 gefährdete Obstsorten konnten beschrieben und für die Erhaltung in Sortensammlungen vermehrt werden. Viele davon galten schon früher als selten und waren schon immer nur lokal verbreitet wie zum Beispiel die Ackerbirne in Horgen ZH oder der Zürchapfel im St. Galler Rheintal. Der Offenheit und Gesprächsbereitschaft vieler älterer Menschen, die ihre Erinnerungen und Erfahrungen aus früheren Zeiten im Projekt preisgegeben haben, verdanken wir, dass auch unsere Kinder noch Birnbrot mit gedörrten Rotlänglern, traditionelles Kirschenmus aus der Schönen von Einigen oder einen Birnbraten aus Gräggelibirnen werden geniessen können. Und vielleicht birgt die eine oder andere gerettete Sorte spezielle genetische Eigenschaften, deren Wert für die moderne Züchtung und Produktion erst noch entdeckt werden muss.

Genauere Informationen über das Projekt können dem Schlussbericht Obst- und Beerensorten Inventarisierung Schweiz entnommen werden.


Für Fragen und Informationen zum Projekt wenden Sie sich bitte an Kaspar Hunziker (kaspar.hunziker(at)fructus.ch)


Die Schweizerische Obstinventarisierung wurde im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für die Ernährung und Landwirtschaft (NAP- PGREL) bearbeitet und vom Bundesamt für Landwirtschaft finanziell unterstützt.